In dem folgenden Artikel sollen Aufgabe und Elemente der Schacheröffnung vorgestellt und mit Beispielen hinterlegt werden.

Die Eröffnungsphase – Einleitung

Die Aufgabe der ERÖFFNUNGSPHASE besteht darin, die Steine so auf dem Schachbrett zu postieren, daß sie eine möglichst große Wirkungskraft entfalten können und somit für die folgenden Kampfhandlungen im Mittelspiel vorbereitet sind. Dies wird als ENTWICKLUNG der Steine bezeichnet.

Als Faustregel für die Dauer der Eröffnungsphase sind 10-15 Züge anzusetzen ( je ein Zug für die vier Leicht-, drei Schwerfiguren, die Rochade und drei Bauernzüge).

Bei der Entwicklung der Steine spielen folgende drei Grundelemente der Schacheröffnung eine Rolle:

  1. Das Problem des Raumes (Aufstellung der Steine)
  2. Das Problem der Zeit (die Schnelligkeit der Figurenentwicklung)
  3. Das Problem des Materials (der Wert der Steine).

Im folgenden werden nun einige einfache Regel unter Berücksichtigung der Grundelemente aufgestellt. Diese Regeln sich jedoch nicht als Dogma zu verstehen, sie sollen lediglich Hilfsmittel bei der Auswahl der richtigen Züge sein. Gleichzeitig wird die Eröffnung besprochen.

Das Problem des Raumes

Das ZENTRUM des Schachbrettes bilden die vier Felder e4,e5,d4,d5. Werden die Nachbarfelder hinzu genommen, so spricht man von dem „GROSSEN ZENTRUM“.

FEN: [6k1/5p2/3p4/1p1P1b1p/1PpQ2p1/1q4P1/4KP1P/2B5 b - - 0 0]

Das Zentrum

 

 

 

 

 

 

 

 

Je näher eine Figur dem Zentrum steht, desto größer wird die Wirkungsmöglichkeit der einzelnen Figur. Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob der Springer auf f3 oder h3 steht. Von f3 aus greift er die Felder e5,e1,d4,d2,g1,g5,h2,h4 (8 Felder) an. Sein Kollege auf h3 hingegen nur die Felder g1,g5, f2,f4 (4 Felder). Entsprechendes gilt auch für den Läufer.

Bei der Wahl des ersten Zuges ist es daher bereits wichtig Einfluß auf das Zentrum zu nehmen. Die Aufgabe der Bauern besteht daher darin

  1. den Figuren Wege zu günstigen Posten zu öffnen und damit ihre Wirkungszuverstärken;
  2. ausreichend Raum in der Mitte des Schachbrettes zu sichern.

Laut Weltmeister Capablanca kommen daher nur die Züge 1.e4 und 1.d4 in Frage.

  • der Zug e4 besetzt das Zentrumsfeld e4, greift das Feld d5 an u. ermöglicht die Entwicklung vom Lf1.
  • der Zug d4 besetzt das Zentrumsfeld d4, kontrolliert e5 u. ermöglicht die Entwicklung vom Lc1.

Beide Züge 1.e4 u. 1.d4 besetzen das Zentrum mit Bauern („klassische Ansicht“). E. Mednis verweist jedoch auch darauf, daß die Züge 1.c4, 1.Sf3 u. 1.g3 gleichwertige Eröffnungszüge sind („moderne Sichtweise“).

Eröffnungsregel 1: Versuche im Zentrum Einfluß zu gewinnen. Überlasse nicht dem Gegner das Zentrum.

Eröffnungsregel 2: Entwickle die Steine möglichst aktiv, Postiere sie so, daß sie nicht von gegnerischen Steinen wieder vertrieben werden können. Vermeide für die Entwicklung unnötige Züge.

Eröffnungsregel 3: Vergiß nicht die Rochade, laß sie dir nicht verderben.

Eröffnungsregel 4: Mach nicht automatisch die Züge des Gegners nach.

Das Grundelement Zeit

Eröffnungsregel 5: Unterlasse vorzeitige Angriffe

Eröffnungsregel 6: ziehe nicht mit der gleichen Figur mehrfach.

Eröffnungsregel 7: Bringe nicht die Schwerfiguren, besonders die Dame zu früh ins Spiel.

Eröffnungsregel 8: Spiele in der Eröffnung nicht auf Bauerngewinn

Das Grundelement Material

Bei jedem Zug muß überlegt werden, was der Gegner droht und ob eine Falle aufgestellt wurde. Insbesondere sind Eröffnungen aufmerksam zu spielen, bei denen Material geopfert wird.

Eröffnungsregel 9: Beachte die Drohungen des Gegners, vermeide Eröffnungsfallen.

Eröffnungsregel 10: Vorsicht bei Gambits. Prüfe genau, ob das Gambit gefahrlos angeommen werden kann.

Alle Partien

Quellen:

  • H. Pfleger, G. Treppner: Zug um Zug, Schach für jedermann 3
  • L. Pachmann, Schach für Alle
  • Colditz/Haakert: „Wir lernen Schach“, Die 10 Eröffnungsregeln
  • E. Mednis: „Capablanca über Eröffnungen“; ER 8/1999 S.38f
  • E. Mednis: „Springereröffnungen“; ER 3/2000 S.87f
  • A. Nimzowitsch: „Mein System“; Das Schacharchiv